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Warum alte Erinnungen plötzlich starke körperliche Reaktionen auslösen

  • 9. März
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 11. März

Manchmal taucht eine Erinnerung auf aus dem Nichts. Ein Satz in einem Gespräch. Ein bestimmter Tonfall. Ein Lachen hinter unserem Rücken. Und plötzlich reagiert der Körper schneller als der Verstand.


Rote Ampel im Sonnenlicht – Symbol für starke Körperreaktion bei alten Erinnerungen
Plötzlich ausgebremst

Der Atem wird flach. Der Bauch zieht sich zusammen. Ein Kloß sitzt im Hals und schnürt die Luft ab. Oder das Herz klopft wie verrückt. Alle Sinne sind blitzschnell hellwach und im Alarmmodus. Vielleicht ist von einer Sekunde auf die andere im Kopf nur noch Nebel, kein klarer Gedanke lässt sich mehr fassen. Blackout.


Festhängende Erinnerungen


Vor einiger Zeit erzählte mir eine Klientin von einer solchen Erfahrung. Sie beschrieb eine Besprechung bei der Arbeit. Ein Kollege hatte ihre Idee mit einem kurzen Satz abgetan – weder laut noch unfreundlich, nur ein leicht skeptischer Tonfall. Und doch passierte etwas in ihr: Sie spürte, wie ihr Gesicht heiß wurde und ihr Herz schneller schlug. Sie blieb stumm bis zum Ende der Besprechung.


Später berichtete sie, dass ihr das nicht zum ersten Mal passiert war: Dass sie oft wusste, was sie sagen wollte, sie eigentlich kompetent war in ihrem Bereich. Trotzdem kam ihr in genau solchen Momenten kein Wort mehr über die Lippen. Nicht weil ihr nichts einfiel, sondern weil plötzlich ein Gefühl von Scham auftauchte. Mit der Zeit begann sie, sich im Team mehr zurückzuhalten, ihre Ideen für sich zu behalten, manche Gedanken gar nicht mehr auszusprechen. Und irgendwann stellte sie fest, dass es begann, sie in ihrer Arbeit zu behindern.


Als wir darüber sprachen, tauchte eine andere Szene auf: Ein Klassenzimmer. Sie sitzt auf ihrem Stuhl, vielleicht zehn oder elf Jahre alt. Sie hat sich gemeldet und etwas gesagt, von dessen Richtigkeit sie eigentlich überzeugt war. Ein paar Mitschüler lachen.


Wo solche inneren Sätze entstehen


Vielleicht war da schon früher ein ähnlicher Ton gewesen – ein spöttischer Kommentar ihres Vaters am Abendbrottisch, ein skeptischer Blick, ein Stirnrunzeln, wenn sie etwas besonders überzeugt vorgetragen hatte. Kein großes Ereignis. Eher diese kleinen Momente, in denen man sich nicht ernst genommen fühlt.


Der Lehrer sagt: „Mädchen, erst denken. Dann reden.“ Er sagt es freundlich mit einem kleinen Augenzwinkern. Aber in diesem Moment geschieht etwas. Ein Stich, ein schmerzlicher Riss im Inneren. Ein Satz beginnt sich zu formen, der viele Jahre später in unterschiedlichsten Situationen erstaunlich schnell auftaucht.


Blamier dich nicht.


Wie Erinnerungen im Körper weiterleben


Die Geschichten, die hinter solchen körperlichen Reaktionen stehen, sind unterschiedlich. Manchmal ist es eine einzelne Szene, manchmal viele kleine Erfahrungen über Jahre hinweg oder eine Atmosphäre, in der früh gelernt wurde, besser vorsichtig zu sein. Was sich oft ähnelt, ist nicht die Geschichte selbst, sondern das, was im Inneren geschieht.


Unser Körper ist ein erstaunlich aufmerksamer Begleiter. Er merkt sich nicht nur Ereignisse, sondern auch Stimmungen – die Atmosphäre im Raum, einen Gesichtsausdruck oder eine bestimmte Art zu sprechen.


Wenn etwas davon später wieder auftaucht, reagiert das Nervensystem schneller als unser bewusstes Denken. Die ursprüngliche Situation liegt vielleicht schon Jahre oder Jahrzehnte zurück. Trotzdem scheint ein Teil der Erfahrung im Inneren noch nicht ganz abgeschlossen zu sein. Viele Menschen versuchen dann, diese Reaktionen zu ignorieren oder sich zusammenzureißen. Doch manchmal ist es hilfreicher, neugierig hinzuschauen. Denn solche Reaktionen erzählen oft etwas über Erfahrungen, die einmal zu groß, zu schmerzhaft oder zu beschämend waren, um sie vollständig zu verarbeiten.


Wenn alte Erfahrungen ihre Kraft verlieren


Durch bewusste therapeutische Arbeit kann sich an solchen Erinnerungen etwas verändern. Die Erinnerungen verschwinden zwar nicht, doch sie verlieren ihre intensive Kraft. Das Klassenzimmer und der Spott am Küchentisch der Kindheit gehören zur Vergangenheit. Die Gegenwart darf eine eigene Stimme finden.



In der therapeutischen Arbeit gibt es Wege, solche festgehaltenen Erfahrungen behutsam weiterzuverarbeiten → Mehr über meine Arbeit mit EMDR

 
 
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